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Die Pflege und der Schreiner

Nachdem im letzten Kalender der Artikel “Der Tod und und der Schreiner” nicht abschreckte, trauen wir uns auch zu einem weiteren Tabu-Thema zu schreiben. Im Frühjahr 2002 gestalteten wir zum ersten Mal verschiedene Pflegebetten, deren wohnliche und funktionale Eigenschaften genauestens mit den Kunden abgesprochen wurden. Bei einer alleinstehenden älteren Dame haben wir neben dem Umzug und dem Rollenumbau des Bettes auch den kompletten Umzug ins Pflegeheim versprochen, weil auch ein Massivholzschreiner mal ein paar andere Möbel tragen kann und vor allem, weil es auch Freude macht, helfen zu können. Vielleicht gibt es ja noch viele Menschen, die pflegetaugliche Massivholzmöbel dem Krankenhaus und Altenheimmobiliar vorziehen würden, aber sie kommen gar nicht auf die Idee, dass schöne und funktionale Möbel die Lebensqualität nochmal deutlich erhöhen könnten. Die alte Mathematikerregel “Je länger man rechnet, desto später kommt das Ergebnis” sagt unter anderem, dass ein Möbel um so länger genutzt werden kann, je eher man es sich leistet. Wir machten die interessante Erfahrung, dass sich Pflegebedürftige über unsere Arbeit oft noch mehr freuen, als Gesunde über ein abgefahrenes Designteil. Aber das spielt ja keine Rolle, uns Schreiner begeistert beides.


Dass auch der Einrichtungsgeschmack im hohen Alter eine wichtige Rolle spielt, belegte angeblich Oscar Wilde, der am Stebebett zu der scheußlichen Tapete in seinem Zimmer sagte: “One of us must go.”

Kinder wiederum sehen die Sache mit dem Altenheim ähnlich unverkrampft: die 6-jährige Laura meinte in einem Gespräch über die Idee mit ein paar Musikerkumpels gemeinsam ein Altenheim aufzumischen, äh -suchen: “Ach Papa, du musst doch nicht ins Altenheim. Zum Kaffeautomaten wirst dich schon noch schleppen können.”

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