Alles Gute zum Einrichten
    die-moebelmacher und EFQM

    Artikel des EFQM-Assessors Thomas Merten
    Expertise des Branchenkenners Michael Borchardt
    Rainer Kaminski über die Weltpremiere Nachhaltigkeits-EFQM bei den Möbelmachern
    Erste Pressemeldung über den Erfolg der EFQM-Arbeitsgruppe in Brüssel

  • Der erste Workshop, bei dem das EFQM-Modell von Michael Lörcher und Thomas Merten vorgestellt wurde, fand im April 2002 im Grünen Baum in Kühnhofen (siehe Bild) mit allen Mitarbeitern statt. Nach einem zweiten Treffen mit den Gruppenleitern im regionalen Musterhaus am 5. August 2002 wurde am 18. und 19. Oktober die weltweit erste EFQM-Selbstbewertung nach dem Nürnberger Nachhaltigkeitsansatz durchgeführt. In einem Artikel, den Thomas Merten für den Möbelmacherkalender schrieb, erklärt er die wichtigsten Schritte und Zusammenhänge. Deshalb hier sein Artikel:
  • Das S-EFQM-Modell mit dem Nürnberger Nachhaltigkeitsansatz in Unterkrumbach

    von Thomas Merten


    Die EFQM (European Foundation for Quality Management) ist eine europäische Initiative für ganzheitliches Qualitäts-Management, und diese hat in ihrem EFQM-Modell beschrieben, was Unternehmen machen sollten, um ganz viel Qualität zu erzeugen. Und weil diese Qualität nicht ausreichend im Sinne von Nachhaltigkeit formuliert wurde, gibt es neuerdings ein Nachhaltigkeits-EFQM (neuer offizielle Bezeichnung S-EFQM nach dem Nürnberger Nachhaltigkeitsansatz). Und damit fängt die Geschichte an:

    Letztes Jahr lernte ich herwig Danzer dabei kennen, wie er uns - zusammen mit anderen EFQM-Assessoren - bei der Entwicklung des S-EFQM-Modell unterstützte. Als Geschäftsführer der Möbelmacher brachte er jede Menge Engagement und viel Wissen in die Arbeit ein und am Ende stand ein Managementinstrument, welches seine Theorie bestanden aber seinen Praxistest noch vor sich hatte. Jeder, der das EFQM-Modell einmal gelesen hat, weiß, warum sich kleine Unternehmen nur sehr selten an diese anfangs schwer verdauliche Sprache und Denke herantrauen - so auch herwig selbst. Und trotzdem luden uns im Frühjahr 2002 Gunther, herwig und die Gruppenleiter ein, das Modell, seine Philosophie und natürlich seine Anwendbarkeit den Möbelmachern vorzustellen. So fanden wir (Michael Lörcher von future e.V. / AkkU Umweltberatung und ich) uns im April in der Gaststätte "Zum grünen Baum" wieder und versuchten redlich, allen Möbelmachern das Modell schmackhaft zu machen. Wie so häufig versagte beinahe unsere ganze Theorie von den schönen Ergebnissen und der schönen Strukturierung - nur eine kleine Selbstbewertung der Mitarbeiterzufriedenheit brachte die Möbelmacher-Seele in Aktion. Angestoßen durch unsere Fragen setzen sich Gunther, herwig, Helmut, Stefan, Matthias, Marlen & Co. damit auseinander, was Mitarbeiterzufriedenheit bei den Möbelmachern heißt und wie sie eingeschätzt wird. "Der grüne Baum" ist seit diesem Abend Sinnbild für einen neuen Prozess bei den Möbelmachern geworden: eine interne Selbstbewertung, vor allem der so genannten "weichen Faktoren". Dazu zählen Zufriedenheit, Motivation, Qualifikation, Kommunikation etc.

    Nun haben die Möbelmacher im Herbst 2002 eine umfangreiche, weite Teile des S-EFQM-Modells abdeckende, Selbstbewertung durchgeführt. Die von uns organisierte und moderierte Bestandsaufnahme der eigenen Stärken & Verbesserungspotenziale wird den Möbelmachern in der nahen Zukunft verhelfen, noch besser und noch nachhaltiger zu wirtschaften, die Kundenwünsche noch besser zu verstehen und sie optimal zu befriedigen. Die Kompliziertheit und vor allem die Sprache des Modells war und ist immer noch ein Problem (Michael, herwig und ich haben bis 4:15 in der Früh gearbeitet, um die Stärken und Verbesserungspotenziale in eine handwerker- und modellverträgliche Sprache zu bringen- um 7:30 ging´s wieder mit der ganzen Belegschaft weiter). Die Möbelmacher haben aber eindrucksvoll gezeigt, dass auch Handwerksbetriebe keine umfangreichen Managementsysteme zu scheuen brauchen. Allen MitarbeiterInnen von unserer Seite ein herzliches Dankeschön: es hat viel Spaß gemacht mit Euch!

    Thomas Merten, Wuppertal Institut / Projektbüro MR-ten
    P.S. Fast alle Änderungen des EFQM-Modells, die die Nürnberger Expertengruppe in Richtung Nachhaltigkeit erarbeitet hat (beteiligt waren daran: Manfred Jung, Thomas Merten, Michale Lörcher, Oliver Alex, herwig Danzer, Werner Ebert, Harald Weiniger, Susanne Kaldschmidt), wurden von der EFQM bei der aktuellen Modell-Überarbeitung berücksichtigt. So sind die Möbelmacher der erste Betrieb, der seine Selbstbewertung mit dem S-EFQM nach dem Nürnberger Ansatz durchführte. 2004 wird das in Europa der Standard werden.
    (Mehr Infos zu diesem Thema unter www.nachhaltigkeit.de)

    Am 5. August 2002 im regionalen Musterhaus. Vorne links Michael Lörcher (future e.V.), rechts Thomas Merten (Wuppertal Institut)

    Die Pro Natura-Schulung im Herbst 2002 beherbergte nicht nur viele Händlerkollegen, sondern auch den Pro Natura Chef Max Atzinger, den Verkaufsleiter Ludwig Völk und den Branchenkenner Michael Borchardt.

    Expertise eines Branchenkenners

    Michael Borchardt ist seit 1986 Berater im Bereich Kommunikation, Verkauf und Betriebsführung und hat sich mit seinem Buch "Moderne Betriebsführung - der Schlüssel zum Erfolg" auf das Schreinerhandwerk spezialisiert. Da für die Selbstbewertung keine Vergleichzahlen von anderen Schreinereien zu bekommen waren, haben wir den Fachmann gebeten die Möbelmacher aufgrund seiner Erfahrung aus über 350 betreuten Schreinereien zu beurteilen:
    Sehr geehrter Herr Danzer,

    wie versprochen erstellte ich aufgrund des gemeinsamen Workshops, der Betriebsbesichtigung und der Gespräche mit Ihnen und Ihren Mitarbeitern eine Kurzexpertise, um Ihnen den Vergleich mit Schreinerkollegen in den "weichen Faktoren" zu erleichtern. Aus meiner Erfahrung unterscheiden sich die Möbelmacher von anderen Betrieben in folgenden Merkmalen:

    a) aus Sicht des Kunden

    Im Laufe der letzten 10 Jahre habe ich über 350 Schreinerbetriebe betreut, aber noch keinen gefunden, dessen ganzheitliche Philosophie dem Kunden so glaubhaft "vorgelebt" wurde. Nicht nur das Werkstattgebäude mit Ausstellung, sondern auch das eigene Wohnhaus zur Besichtigung zur Verfügung zu stellen, ist außergewöhnlicher Service für den Kunden, aber vor allem auch Verkaufstechnik par excellence. Der Kunde spürt, oder - bildlich gesprochen - er begreift die Fachkompetenz , die nicht nur im Kernsegment Holz, sondern auch in allen anderen Einrichtungsbereichen deutlich wird. Die teamgebundene Auftragsorganisation, bei der neben den Geschäftsführern, eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter für die komplette Abwicklung verantwortlich ist, hebt sich von den gängigen Organisationsformen in Schreinereien deutlich ab. Auch die Werkstatt selbst, durch die jeder Kunde geführt wird, hat nicht nur eine angenehme Arbeitsatmosphäre, sondern ist ebenso ein Verkaufsargument. Durch die sorgfältige und konsequente Produktauswahl entsteht ein Vertrauen, welches der Grund für den überproportional hohen Anteil an Mehrfachkäufen ist. Durch die konstante und extrem erfolgreiche Pressearbeit und das Jahrbuch "Infokalender", wird jeder Kunde regelmäßig "gepflegt". Und wer eine Komplettführung durch Werkstatt, Ausstellung und Musterhaus miterlebt hat, wird zumindest den Wunsch nach einer Einrichtung "made by Möbelmacher" in sich tragen.

    b) aus Sicht der Mitarbeiter

    Aus den Gesprächen konnte ich eine überdurchschnittliche Loyalität zum Betrieb und eine hohe Zufriedenheit erkennen. Die Stärkenliste aus der Nachhaltigkeits-EFQM-Bewertung und die Tatsache, dass fast alle Mitarbeiter bei den Möbelmachern ausgebildet wurden, bringt mich zu der Vermutung, dass nicht alle Leistungen, die der Betrieb bringt, von den Mitarbeitern reflektiert werden, oder zu einer Selbstverständlichkeit abflachten. Grund könnte der fehlende Vergleich zu anderen Betrieben sein. Sicher lässt sich diese Diskrepanz im Rahmen von EFQM verbessern. Alleine die Statistik der Lehrlinge ist in den Kriterien "Anzahl", "Frauenanteil" und "gewonnen Preise und Anerkennungen" sicher einmalig. Die Arbeitszeitregelung, die Teamarbeit und nicht zuletzt das gesamte Gebäude mit seiner Einbindung in die Landschaft schaffen Arbeitsbedingungen, die ich bereits bei der letzten Vollversammlung des TopAteams Ihren Schreinerkollegen als vorbildlich schilderte.

    c) aus Sicht der Lieferanten

    Als Berater eines der wichtigsten Möbelmacherlieferanten Pro Natura, kenne ich den Betrieb schon seit langem aus Gesprächen und aus der Tatsache, dass die Möbelmacher schon drei mal Händler des Monats wurden und einmal die Auszeichnung Händler des Jahrzehnts erhielten. Dabei zählen nicht nur Umsatz und Zahlungsmoral, sondern vor allem die langjährige und kritische Zusammenarbeit in Fragen des Produktdesigns (es gibt noch Servietten aus Restaurants, auf denen die Ideen für erfolgreiche Produktneuerungen gezeichnet sind), der ergonomischen Funktion (die Ehefrauen der beiden Geschäftsführer sind Sportlehrerinnen und Rückenschulleiterinnen) und des Marketings (die Möbelmacher testeten als erster Betrieb die Akzeptanz einer europaweiten Kundenbefragung). Den Erfolg der aktiven Arbeit bei Messen und Veranstaltungen kann der zuständige Außendienst eindrucksvoll mit Kalenderzahlen belegen.

    d) aus Sicht der Gesellschaft

    Viele Erfolgsgeschichten aus der Hersbrucker Alb haben ihren Ursprung in Unterkrumbach. Egal, ob der Tag der Regionen, Slow City Hersbruck, Best Practice des Initativkreises Holz aus der Frankenalb oder der Verein Heimat auf´m Teller. Beim Durchsehen der Unterlagen und Zeitungsartikel findet man die Möbelmacher als Veranstaltungsort, als Sponsor, als Ideengeber und vor allem als aktiver Mitarbeiter. Sogar im Internet lassen sich diese Zusammenhänge, auch für Außenstehende, über das Pressearchiv der eigenen homepage, aber auch über die erscheinenden Hinweise bei der Eingabe in die Suchmaschine, lückenlos nachvollziehen. In dem belebten und gut betreuten Gästebuch sieht man, dass die Möbelmacher in die Gesellschaft der Hersbrucker Alb harmonisch integriert sind.

    Fazit:
    Aus all diesen Gründen kann ich sagen, dass es zwar Betriebe gibt, die in Einzelbereichen durchaus die Qualität der Möbelmacher erreichen, im ganzen betrachtet hat dieser Betrieb deutschlandweit aber eine Alleinstellung, die hinsichtlich Authentizität und Glaubwürdigkeit seinesgleichen sucht.

    In der Hoffnung, dass Ihnen meine Erfahrungen und meine Einschätzungen beim Selbstbewertungssystem hilfreich sein können grüße ich aus Großmehring

    Ihr
    Michael Borchardt

    In einigen Fachzeitschriften veröffentlichete Gerhard Kaminski folgenden Artikel über das Nachhaltikeits-EFQM der Möbelmacher:

    Nachhaltigkeitsstrategie für ein Handwerksunternehmen:
    Die Möbelmacher erproben das erweiterte EFQM-Modell

    Wie kann ein Handwerksunternehmen zuverlässig seinen Standort in Sachen nachhaltiges Wirtschaften bestimmen? Die Antwort haben jetzt Die Möbelmacher gegeben und dabei in vorbildlicher Weise alle MitarbeiterInnen einbezogen. Statt der zu erwartenden Managementsysteme EMAS oder ISO 14001 kam dabei das Modell der European Foundation for Quality Management (EFQM) zum Einsatz.

     

    Weltpremiere: Die Möbelmacher haben das neue Nachhaltigkeits-EFQM dem ersten Praxistest unterzogen. Um die eigenen Fortschritte bei der Umsetzung des Nachhaltigkeitsgedankens festzustellen, beschloss das Unternehmen an dem Sustainability-EFQM-Projekt des Nürnberger Netzwerks COUP 21 teilzunehmen. Das EFQM-Modell (siehe Kasten), obwohl es eher für mittlere bis große Unternehmen entwickelt wurde - schien aufgrund seiner ganzheitlichen Struktur besser geeignet als die 9000er oder 14000er Reihe der ISO-Normen oder das Öko-Audit. Die Möbelmacher sind dabei eins von vier Unternehmen, in denen das Sustainability-EFQM-Modell zur Zeit eingesetzt wird.

     

    Volles Holz

    Seit 1988 bietet das Unternehmen in der Region Hersbrucker Alb Massivholzmöbel und -einrichtungen aus heimischem Holz an. Dabei ist der Bezug zur Region von zentraler Bedeutung – im Betriebsalltag sowie im Verständnis von Nachhaltiger Entwicklung.

    Das Konzept hat sich als erfolgreich erwiesen: Mittlerweile bemühen sich rund 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die hohen Ansprüche an die Kundenorientierung mit dem Beitrag zur regionalen Wirtschaftsentwicklung zusammen zu bringen. Die dabei verfolgte Philosophie lautet: „Alles Gute zum Einrichten“. Dahinter verbirgt sich eine Produktpalette, die vom langlebigen Einzelmöbel bis zur kompletten Einrichtung reicht, zu 98 Prozent aus Hölzern der Region gefertigt. Span-, Multiplex und Tischlerplatten kommen nicht zum Einsatz und bei der Oberflächenbehandlung wird darauf geachtet, dass die verwendeten Öle auch für Allergiker verträglich sind.

    Zwar sind die Qualitätsmöbel das Kernstück der Geschäftstätigkeit, doch hat sich mittlerweile zum wichtigsten Verkaufsargument die ganzheitliche Einrichtungsberatung entwickelt, vom Fußboden über Polstermöbel, Bürostühle, Fenstergestaltung bis hin zur Beleuchtung. Dazu kommt ein umfassender Service vom Entwurf bis zur Montage, die auch im Urlaub der Kunden ausgeführt werden kann. Außerdem wird eine „Nachbetreuung“ angeboten, die von der Oberflächenpflege über den Umzug bis hin zum Umbau der Einrichtung reicht.

     

    Umwelt- und familienfreundlich

    Mit einem regionalen Musterhaus zeigen Die Möbelmacher Besuchern die Vorteile eines modernen Holzhauses. Dabei wird natürlich auf die Herkunft des Holzes und die Einbindung der Herstellung in die regionalen Wirtschaftskreisläufe hingewiesen. Und auch die eigene, 1997 neu gebaute Werkstatt hat Vorbildcharakter. Sie wurde ausschließlich aus ökologisch und biologisch unbedenklichen Materialien errichtet. Die in Niedrigenergiebauweise erstellte Werkstatt wird zusammen mit dem Musterhaus aus einem Heizwerk mit Wärme versorgt. Es wird mit Holzbriketts befeuert, die auch die Holzreste aus der Produktion aufnehmen. Warmes Wasser liefert eine thermische Solaranlage und Regenwasser wird als Brauchwasser gesammelt und genutzt.

    Neben der Beachtung des Umweltschutzes, die sich in vielen weiteren Einzelmaßnahmen dokumentiert, zeichnet sich der Betriebsalltag der Möbelmacher auch durch besonderes soziales Engagement und eine immer wieder mit Preisen gewürdigte hohe Qualität der Ausbildung aus. So gibt es beispielsweise eine familienfreundliche Vier-Tage-Woche und generell werden die Arbeitszeiten flexibel gehandhabt. Die Arbeitsplätze in der baubiologisch optimierten Werkstatt sind zudem ergonomisch gestaltet. Sozialräume sind großzügig bemessen und der Zusammenhalt unter den Möbelmachern wird durch gemeinsame Aktivitäten, wie gemeinsames Essen, Ausflüge und Freizeiten gefestigt. Im Rahmen des Wettbewerbs der „Familienfreundliche Betrieb 2000“ konnte sich das Konzept im ersten Drittel der Bewerbungen plazieren und einen Eintrag in der Datenbank zu „Beispielhaften Unternehmen“ der Stiftung Beruf und Familie sichern.

     

    Projekte

    Die Möbelmacher engagieren sich darüber hinaus in vielfältiger Weise für den Umweltschutz und eine nachhaltige Entwicklung. Sie sind Mitglied im Umweltpakt Bayern und gehörten zu den Ersten, die sich der Regionalvermarktungsinitiative „Original Regional“ angeschlossen haben. Auch in der Kompetenzinitiative Regionalkaufhaus Nürnberg machen sie mit und als Gründungsmitglied sind sie an COUP 21 (Cooperation Umweltamt Pionier-Unternehmen) beteiligt, mit dem das Umweltamt der Stadt Nürnberg Best-practise-Beipiele von örtlichen Unternehmen im Umweltschutz herausstellt und das Engagement für die Weiterentwicklung betrieblichen Umweltschutzes fördert. In diesem Rahmen waren das Wuppertal Institut und der umweltorientierten Unternehmensverband future e.V. beauftragt worden, Kriterien für nachhaltiges Wirtschaften in Unternehmen zu entwickeln. „Dazu haben wir das  Managementsystem des EFQM, das bereits einige Aspekte des Umweltschutzes einbezieht um bestimmte Nachhaltigkeitskriterien ergänzt,“ erläutert Thomas Merten, der für das Wuppertal Institut an dem Projekt beteiligt war.

     

    Selbstanalyse

    Zusammen mit Michael Lörcher von future e.V. machte Thomas Merten Die Möbelmacher mit dem S-EFQM-Modell bekannt. Die Vorzüge des Systems wurden erläutert und das Verfahren für die im Mittelpunkt stehende Selbstbewertung vorgestellt. In einem Vorbereitungsworkshop wurde der Umfang des S-EFQM-Modells auf ca. 20 von 32 Teilkriterien reduziert. Anhand von S-EFQM-Standardformularen wurden in Teams die jeweiligen Stärken, Verbesserungspotenziale und Nachweise zusammengetragen.

    Im Oktober 2002 fand dann der zweitägige Selbstbewertungsworkshop statt. Daran nahmen alle Mitarbeiter, einschließlich der neun Auszubildenden und die Geschäftsführung teil, was für Die Möbelmacher selbstverständlich war. Die Hälfte der aufgewendeten Zeit wurde als reguläre Arbeitszeit entlohnt. Organisiert und moderiert wurde das Treffen vom Projektteam Lörcher/Merten. Im Ergebnis dieser für Schreinereien einmaligen und weltweit ersten Selbstbewertung nach dem neuen Nachhaltigkeits-EFQM-Modell entstand eine umfangreiche Liste von Stärken und Verbesserungspotenzialen, aufgelistet nach den Kriterien:

    • Führung,
    • Politik und Strategie,
    • Mitarbeiter,
    • Kunden,
    • Partnerschaften,
    • Ressourcen und
    • Unternehmens-Ergebnissen.

    Der Bestandsaufnahme und Bewertung folgte die Erstellung eines Maßnahmenkatalogs zur Verbesserung des Managementsystems und der Leistungserstellung. Halbjährliche Reviewtreffen werden die erfolgreiche Umsetzung der Maßnahmen kontrollieren und die Mitarbeitereinbindung verstärken. Die Fortführung dieses Managementprozesses ist integraler Bestandteil der weiteren Unternehmensentwicklung.

    Der Umfang und vor allem die Begrifflichkeiten sowie die abstrakte Sprache des S-EFQM-Modells stellten sich als problematisch heraus. „Durch den besonderen Einsatz von Herwig Danzer ist jedoch die ‚Übersetzung’ in eine geeignete und für Handwerker verständliche Sprache gelungen,“ sagt Thomas Merten. Die Möbelmacher hätten eindrucksvoll gezeigt, dass auch Handwerksbetriebe keine umfangreichen Managementsysteme zu scheuen brauchten.

     

    Weitere Informationen: Die Möbelmacher, Unterkrumbach

    Tel.: 09151/862 999.

    Thomas Merten, Wuppertal Institut / Projektbüro MR-ten - Beratungen für nachhaltiges Wirtschaften und Ressourcenoptimierung
    Ringstraße 16, 61191 Rosbach
    Tel: 060 07/91 81 70
    Fax: 91 81 80
    E-Mail: merten@nachhaltigkeit.de

     

    Michael Lörcher, future e.V. / AkkU Umweltberatung GmbH

     

     

     

    im Kasten:

     

    EFQM-Modell plus Nachhaltigkeitskriterien (S-EFQM)

    Das EFQM-Modell wurde 1988 als alternatives Qualitätsmanagementkonzept entwickelt, das die verschiedenen Elemente und Ergebnisse einer Organisation und deren Umgebung gleichzeitig und gleichberechtigt betrachtet. Insgesamt neun Bewertungskriterien, die in eine Vielzahl von Unterkriterien unterteilt sind, helfen, die ökonomischen, sozialen und auch teilweise ökologischen Konsequenzen von Managemententscheidungen zu bewerten. Wesentliche Merkmale sind die Kunden-, Mitarbeiter- und Prozessorientierung, aber auch die Einbeziehung der Interessengruppen. Das Modell teilt sich auf in so genannte „Befähiger“, die für eine Organisation notwendig sind, um bestimmte Ergebnisse zu erreichen. Diese „Ergebnisse“ lassen sich als solche ausweisen, wenn die erfolgreiche Umsetzung von Politik und Strategie sowie der daraus abgeleiteten Ziele, Messgrößen, Maßnahmen etc. an ihnen gemessen werden kann. Die „Befähiger“ müssen in den Bereichen „Vorgehen“, „Umsetzung“ sowie „Bewertung und Überprüfung“ so gemanagt werden, dass sie ursächlich zur Erreichung der Ziele des Unternehmens beitragen können. Wichtig ist dabei eine umfassende, angemessene und aktuelle „Politik und Strategie“, die Grundlage für alle Handlungsfelder und Ziele sein sollte.

    Im Rahmen des Netzwerkes COUP 21 wurde Ende 2001 begonnen, ein Nachhaltigkeits-EFQM zu entwickeln. Grundlage für eine inhaltliche Bewertung und Auswahl der Nachhaltigkeitskriterien, mit denen das Modell erweitert werden sollte, war eine Analyse von über 20 Nachhaltigkeitskonzepten aus denen über 200 Nachhaltigkeitsindikatoren herausgearbeitet, nach Nennungshäufigkeit gewichtet und dem EFQM-Modell zugeordnet wurden. Die Diskussionen in einer Reihe von Workshops mit Experten zeigte, dass dieses als ganzheitliches Managementkonzept schon viele Teile der heute definierten Nachhaltigkeits“landschaft“ abdeckt – ohne dies explizit zu nennen. Die noch fehlenden Aspekte wurden identifiziert und, soweit möglich, ergänzt. Dabei konnte der im Modell vorhandene „Domino-Effekt“ genutzt werden: Veränderungen auf der Ebene der Grundkonzepte setzen entsprechende Veränderungen auf der Ebene der Kriterien in Gang. Diese wiederum wirken sich auf der Teilkriterienebene und weiter auf der Ebene der Orientierungs- oder Ansatzpunkte aus. Daher war es bedeutsam, grundsätzliche Aspekte des Nachhaltigen Wirtschaftens in den Definitionen der Schlüsselbegriffe und den Grundkonzepten vorzunehmen.

     

     

    Die erste PRessemeldung über die Erfolge der EFQM Arbeitsgruppe von Dr. Werner Ebert.

    S-EFQM

    Nürnberger Nachhaltigkeitsansatz wird europaweiter Standard

     

    Einen derart durchschlagenden Erfolg hatte anfangs niemand erwartet. Das EFQM- Modell wird ab 2004 zusätzliche Nachhaltigkeits-Aspekte enthalten, die von einer COUP21 Expertengruppe [1] erarbeitet wurden. Das neue, in Nürnberg erarbeitete Sustainabilty-EFQM (S-EFQM) ist ein weiterer Schritt, den abstrakten Begriff "Nachhaltigkeit" für Unternehmen operationaliserbar zu machen.

     

    Bereits Ende 2001 begann eine Expertengruppe des Netzwerkes COUP 21 - unter Federführung von Thomas Merten (Wuppertal Institut) und Michael Lörcher (future e.V.) - einen Vorschlag für ein Sustainabilty- EFQM-Modell zu erarbeiten. Dazu wurden über 20 Nachhaltigkeitskonzepte analysiert und mehr als 200 Nachhaltigkeitsindikatoren ermittelt. Die Vorstellung war von Anfang an, den grundlegenden Aufbau und die Struktur des EFQM- Modells unangetastet zu lassen und die fehlenden Nachhaltigkeitsaspekte darin zu integrieren. So gab es Änderungsvorschläge bei einzelnen Begriffen aus den Grundkonzepten sowie eine Reihe von Ergänzungen bei den einzelnen Teil-Kriterien. Zum Beispiel umfassen Interessensgruppen jetzt auch Nicht-Regierungsorganisationen, die globale Gesellschaft und nachfolgende Generationen, die in ökologischer und sozialer Hinsicht zu betrachten sind. Ein Testlauf bei vier Unternehmen, Deutsche Telekom / Service Niederlassung Weiden, Die Möbelmacher, Hotel Schindlerhof, Neumarkter Lammsbräu, brachte bereits erste positive Erfahrungen mit dem S-EFQM.

     

    Der Zeitpunkt für die Modellerweiterung durch die Nürnberger Arbeitsgruppe war äußerst günstig. Setzte doch die EFQM im Frühjahr 2002 eine Arbeitsgruppe ("refreshing group") ein, die das Modell modernisieren sollte. Nachhaltigkeit ist mittlerweile in Wirtschaftskreisen europaweit auf der Tagesordnung, so dass Manfred Jung, der COUP21 Vertreter in dieser EFQM-Arbeitsgruppe, die restlichen EFQM- Fachleute schnell von den Ergänzungen überzeugen konnte. Nicht alle, aber viele der Vorschläge wurden ins Modell integriert. Weitere Änderungen in Richtung "Corporate Social Responsibility", "Risikomanagement" und "Change-Management" werden das aktualisierte Modell ab 2004 noch ganzheitlicher gestalten. Die Änderungen wurden bereits vom Executive Committee der EFQM abgesegnet und auf dem Jahreskongress in Barcelona Ende Oktober 2002 der Öffentlichkeit vorgestellt.

     

    Mehrere Wege zur Nachhaltigkeit

     

    EFQM ist ein geeignetes Instrument, um Nachhaltigkeit in Unternehmen zu verankern. Genauso zielführend sind aber auch andere Vorgehensweisen, wie bei der Integration von Managementsystemen Nachhaltigkeitskriterien zu berücksichtigen oder Unternehmensleitlinien zur Nachhaltigkeit zu erarbeiten sind. Klar ist auch, dass erweiterte Berichtspflichten von Seiten der EU bzw. durch Basel II auf die Unternehmen zukommen werden. Für die Gestaltung der unternehmerischen Zukunft bietet COUP21 eine gute Plattform der Information und des Erfahrungsaustausches.

     

    Weitergehende Informationen erhalten Sie bei Dr. Werner Ebert 0911/231-4189

     



    [1] Expertengruppe: Michael Lörcher (future e.V.), Thomas Merten (Wuppertal Institut), Dr. Werner Ebert (Umweltamt Nürnberg), Oliver Alex (Siemens ATD), Manfred Jung (Training & Consulting), Susanne Kaldschmidt (TQMI), Harald Weiniger (DGB), herwig Danzer (Die Möbelmacher)

     

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