|
|
 |
 |
| Alte Buchen haben meist einen roten Kern und damit ein Imageproblem |
| Für Brennholz viel zu schade |
HERSBRUCK (NZ). Von Natur
aus, erklärt Ralf Straußberger, beim
Bund Naturschutz (BN) in Bayern für
die Belange des Waldes zuständig,
wäre der Freistaat ein Meer aus
Buchen mit einigen Inseln aus anderen
Baumarten. In der Realität aber
machen Buchen gerade sechs Prozent
der gesamten Waldfläche aus das
Ergebnis von 200-jähriger Forstwirtschaft,
die vor allem auf Nadelhölzer
gesetzt habe.
Eine vergleichsweise hohe Dichte an
Buchen, noch dazu an alten Exemplaren
von 140 Jahren und mehr, weist
dagegen der Stadtwald von Hersbruck
(Kreis Nürnberger Land) auf. Doch mit
der Vermarktung des Hartholzes tun
sich die Waldbesitzer schwer, weiß
Michael Müller, Geschäftsführer der
Forstbetriebsgemeinschaft Nürnberger
Land, und hat ein Preisbeispiel
parat: Während für starkes Buchenholz
ab etwa 50 Zentimeter Durchmesser
ohne oder mit wenig Rotkern 400 bis
500 Euro pro Festmeter bezahlt werden,
liegt der Preis bei deutlichem Rotkern
bei etwa 50 Euro. Und paradoxerweise
liegt das Problem gerade in der
herausragenden Eigenschaft alten
Buchenholzes: Der rötlichen Färbung
seines Kerns.
Der Verbraucher will scheinbar
makelloses, helles Holz, erklärt Müller,
rotkerniges Buchenholz habe
dagegen das Image des Minderwertigen.
Völlig zu Unrecht, wie der Chef
der Forstbetriebsgemeinschaft betont.
Weder bedeute der rote Kern eine Minderung
der Holzqualität, noch habe er
etwas mit der von der Fichte bekannten
Rotfäule zu tun. Müller sieht darin
vielmehr den Ausdruck natürlich
gewachsener Individualität. Jeder
Baum ist anders.
Womit ein weiteres Problem
benannt ist. Wenn jeder Baum anders
ist, ist auch jedes Möbelstück, das aus
dem Holz gefertigt wird, anders. Das
wiederum wollen die meisten Verbraucher
nicht. Wer im Prospekt ein
Möbelstück sieht, das ihm gefällt, der
möchte, das es in Wirklichkeit genauso
aussieht, meint Herwig Danzer,
Geschäftsführer der Schreinerei Die
Möbelmacher in Unterkrumbach bei
Hersbruck. Für Massenware ist rotkerniges
Buchenholz nicht geeignet.
Für Schreiner, die individuelle
Möbel herstellen, schon. Allerdings
erfordere die Verarbeitung mehr Aufmerksamkeit:
Der Zuschnitt des Holzes
und die Verleimung müssten stimmen,
sonst sieht es nicht gut aus.
Danzer wie auch Michael Müller von
der Forstbetriebsgemeinschaft, Hermann
Hatzelmann vom Forstamt
Hersbruck und der Bund Naturschutz
sind sich einig, dass die Verwertung
und Vermarktung alten Buchenholzes
verbesserungswürdig ist, die Strategien
aber unterscheiden sich. Während
das Landwirtschaftsministerium, so
Hatzelmann, vorgebe, mittels intensiverer
Durchforstung langfristig stärkere
Buchen ohne Rotkern zu erzeugen,
setzt der Bund Naturschutz auf
eine Marketingkampagne, die bewusst
auf rotkerniges Buchenholz ausgerichtet
ist. Das Motto: Wer sich seine Möbel
aus altem Buchenholz aus heimischen
Wäldern schreinern lässt, stärkt regionale
Wirtschaftskreisläufe und
beweist Mut zur Individualität.
Stephan Sohr
Eine Liste von Waldbesitzern, Sägewerken
und Schreinereien, die rotkerniges
Buchenholz anbieten und
verarbeiten gibt es beim Bund
Naturschutz, Bauernfeindstr. 23,
90471 Nürnberg, 09 11/81 87 80,
E-Mail: lfg@bund-naturschutz.de
|
| 18.6.2002 0:00 MEZ |
| |
|
 |
|